6. Etappe: Queenstown bis Te Anau. 56 km zu Fuss meist im Regen; Rest per Anhalter

Zwei Tage blieb ich in Queenstown, einer Stadt, die vor allem aus Reisebüros und Adventure Veranstalter besteht. Die zwei einzigen Café/ Bäckerein im Zentrum brechen zur Frühstückszeit fast zusammen vom Ansturm der hungrigen Adventure-Touristenmeute. Wer schon immer davon träumte, ein Café zu eröffnen, sollte es hier tun. Die Hotelpreise sind unverschämt, aber man muss ja froh sein, dass man überhaupt unterkommt. Ich traf mich am zweiten Abend mit Sandro, einem 28 jährigen Schweizer, der den ganzen TA mit Sandalen abgeht. Er war anfangs immer vor mir, nach meiner Abkürzung war er dann hinter mir. Dank seinem Blog (sandrokoster.com) könnte ich ihn kontaktieren, so machten wir hier einen Abend lang Erfahrungsaustausch. Wir fragten auch nach dem Preis eines WaterTaxi, das uns an den Startpunkt der nächsten Etappe bringen würde. Aber für den Preis von $600 kann man sich gleich einen Helikopter mieten. Sandro wird per Autostopp und zu Fuss um den See herum gehen; ich werde einen Tag nach ihm den Shuttle nehmen so weit dieser geht und dann schauen, wie ich weiter komme. Der Unterbruch des Trail hier ist ein Schwachpunkt des TA. Der natürliche Weg wäre links um den See herum; aber das sei Privatbesitz und die Farmer wollen dort keinen Trampelpfad. Aber was nicht ist kann ja noch werden; der TA ist noch jung (gibt es offiziell erst seit 2012) und der Te Araroa Trust bemüht sich laufend um Verbesserungen.  Anyway, es wird meine letzte Etappe sein; habe danach für meine letzte Woche hier in NZ eine organisierte Wanderung auf dem Milford Track (einer der 8 ‚Great Walks‘) gebucht. War sündhaft teuer, aber ein bisschen Luxus werde ich mir am Schluss meines Abenteuers wohl leisten dürfen.

17 Jan Greenstone Station to Greenstone Hut; 11 km, 4 Stunden
Die Wetterprognosen für die nächsten Tage sind grauenvoll. Aber erfahrungsgemäss ist es meistens nicht so schlimm wie angekündigt. Ein Shuttle bringt mich nach Routeburn. Unterwegs sah man von der Ferne den Regen im Greenstone River Valley. Aber als ich dann dort ankam, schien die Sonne. Auch sonst hatte ich Glück – ein Shuttle der Kinloch Lodge fährt mit ein paar Touristen bis zur Greenstone Station, dem Startpunkt des TA. Die Kinloch Loch Shuttle Fahrerin heisst Marianne, und nachdem sie mich 10 Min hat reden lassen, fährt sie plötzlich mit Schweizerdeutsch fort. Sie lebt seit 30 Jahren in NZ und geht jeweils im Winter (unserem Sommer) in die Schweiz um in Hütten auszuhelfen.
An der Greenstone Station ist Betrieb, viele Wanderwege starten hier. Zwei Autostopper steigen gerade aus – es sind Aurelien und Sarah. Wir begrüssen uns wie alte Freunde. Einen Monat ist es her, als ich die zwei auf der zweiten Etappe kennenlernte. Die beiden lernten sich übrigens auch um diese Zeit kennen und wandern seither zusammen. Ein komisches Paar, sie 34 aus Australien, er 21 aus Frankreich. In der Greenstone Hut treffe ich sie wieder, wo wir uns lange unterhalten. Aber sie bleiben nicht dort zum übernachten; abends um halb sieben ziehen sie weiter, obwohl es wieder regnet und obwohl die nächste Hütte 4 Stunden weit weg ist. Um halb zehn wird es dunkel – sie werden also die letzte Stunde mit Stirnlampe und im Regen laufen. Ein bisschen verrückt sind sie ja schon, die beiden. Die Greenstone Hütte ist übrigens überbelegt. Es hat Platz für 20, aber es sind mindestens 25 hier, davon die Hälfte eine Gruppe aus Israel, die bis Mitternacht Radau macht. Die übrigen Gäste sind aber alle interessant und nett.

18 Jan.
Greenstone Hut bis Boundary Hut; 22 km, 8 Stunden.
Durch den vielen Regen in der Nacht ist der Weg versumpft. Am Anfang gibt man sich noch Mühe, trocken zu bleiben, aber irgendwann ist knieabwärts alles triefend nass und ich stampfe 11 km in 4 Stunden durch Schlamm und Sumpf bis zur Taipo Hut, wo ich längere Pause mache, da der Regen wieder heftig einsetzt. Da es sich anscheinend um Dauerregen handelt, ging ich trotzdem weiter bis zur Boundary Hut (12km/4 Stunden. Aurelien und Sarah sind auch da. Das freut mich, habe ja den ganzen Tag keinen Menschen gesehen. Eine Feuerstelle gibt es hier nicht, so bleibt alles schön nass

19 Jan.
Boundary Hut bis Kiwi Burn Hut; 18 km; 5 Stunden im Regen.
Der Dauerregen war heftig in der Nacht. Es tröpfelt auch am Morgen, darum gehe ich erst um 11 gehe los; bei dem Wetter ist Wandern weniger lustig. Der Weg folgt einem 4WD Track, der aber zu einem Teil unter Wasser gesetzt ist. Unterwegs begegnen mir mehrere TA northbound Wanderer (u.a Natascha aus der Schweiz), und selbstverständlich schwatzt man mit allen ein Weilchen.  In der Carey’s Hut (nach 6 km), die von zwei Jägern belegt ist, mache ich Mittagspause. Nach weiteren 7 Km im Regen kommen zwei andere Jäger in ihrem Jeep und nehmen mich bis zur Swingbridge mit. Mein Rucksack hat zwischen einem toten Possum und vielen toten Hasen Platz, ich klemme mich ein zwischen Gewehre und Ausrüstung. Die Hasen sind wertlos (bringen nur etwas Fleisch für den Selbstgebrauch); aber das Fell des Possum bringt etwa $25.
Mein Ziel ist die Kiwi Burn Lodge. Dorthin muss man noch durch tiefe Bäche waten (Schuhe sind eh nass). Aus dem Kamin der Hütte steigt Rauch – wie schön, dass jemand schon Feuer gemacht hat. Es ist Amy aus Toronto – auch eine, die man vom Hörensagen und aus den Hüttenbüchern kennt. Sie war mir von Anfang an immer ein paar Tage voraus. Später kommt dann noch ein Franzose (Sébastien) und ein Jäger.
Ein Wort zu den Jägern, von denen ich heute wahrlich viele getroffen habe. Sie sind zwar nett und freundlich, aber wir naturliebenden TA-Wanderer mögen sie trotzdem nicht besonders. Sie haben einen anderen Tagesrhythmus, tragen sich nicht in die Hüttenbücher ein, sind schmuddelig und vor allem: sie riechen unangenehm.

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20 Jan.
5 km
Mit Amy gehe ich zurück zur Gravel Road, von wo uns der Jäger in seinem Auto (diesmal ohne toten Tiere) zur Hauptstrasse bringt. Obwohl das Wetter wieder besser ist, sind wir froh, so die 34 km Gravel Road zu vermeiden. Amy folgt danach weiter dem TA-Trail, ich autostoppe nach Te Anau. Keine 2 Minuten Daumen draussen, schon halten zwei junge Dutch Girls an; so bin ich schon um 11 in Te Anau. Finde rasch einen günstigen Holiday Park, wo ich erst mal meine restlichen Vorräte aufesse. Abends treffe ich mich mit den beiden Dutch Girls auf ein Bier.
Werde drei Tage in Te Anau bleiben und von hier Tageswanderungen machen. Dann folgt der 5-tägige Milford Sound Walk (nicht Teil des Te Araroa), und das war’s dann. Flug ist am 30. Mein PLB habe ich übrigens online zum halben Preis verkauft. Wird am 29. in Queenstown abgeholt.

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Ein Schlusswort folgt nach Milford.

Ein Kommentar zu „6. Etappe: Queenstown bis Te Anau. 56 km zu Fuss meist im Regen; Rest per Anhalter

  1. Lieber Martin, endlich wiedereinmal Zeit und Musse die Blogs nachzulesen, inzwischen sind es doch einige. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor Dir, wie Du allen Widrigkeiten zum Trotz immer weiter gemacht hast. Ich bin sicher, das hat Dir innerlich auch viel Freude gebracht, wenn man sieht, dass man die Grenzen doch etwas hinausschieben kann. Kudos.
    Wir hingegen haben die Off-Road Strecke für die nächsten 4 Wochen reserviert, wo wir wieder alleine unterwegs sein werden.
    Für die letzten Tage wünschen wir Dir noch viel Sonne, gute Begegnungen und eine gute Heimreise.

    Werner, Pia und Arkas

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